Recycling – Die Umweltschutzorganisation Conserve India

 

Entstehung einer Idee

Abfall wird heute jeden Tag millionenfach produziert und gerade in Entwicklungsländern landet er häufig unachtsam am Straßenrand oder verschmutzt die Flüsse und Meere.

Indien wird durch sein schnelles Wirtschaftswachstum mit wachsenden Müllbergen konfrontiert. Geregelte Entsorgungssysteme bleiben hier aber noch die Ausnahme und werden meist vom nicht- organisierten Sektor übernommen. Viele Menschen in den Slums versuchen mit Müllsammeln ihre Familien zu unterhalten, welches keine sehr gut bezahlte Arbeit ist. Oft landet der Müll auch in den hungrigen Mäulern der Tiere, die auf der Suche nach Futter sind.

Täglich werden in Indien Millionen Plastiktüten ausgegeben, die wegen ihrer schlechten Qualität auch wie der andere Müll einfach am Straßenrand landen. Die Massen an Plastiktüten sind eines der größten Umweltprobleme in Delhi. So entstand die Idee der Umweltschutzorganisation Conserve India, die herumliegenden Plastiktüten zu Taschen und anderen Produkten zu verarbeiten.

 

Herstellung

Die von MüllsammlerInnen eingesammelten Plastiktüten werden in einer Außenstelle von Conserve zunächst nach Farbe sortiert, dann geschnitten und gewaschen. Anschließend werden sie auf dem Dach in der Sonne getrocknet.

Mit einem speziell entwickelten Verfahren werden die Plastiktüten dann zu einer wasserfesten Folie verarbeitet. Aus diesem neu entwickelten Material lassen sich Taschen, Mauspads, Schuhe und sogar Regenjacken herstellen. Wegen der unterschiedlichen Kombination des zu verarbeitenden Materials entstehen immer wieder neue Farbtöne und Muster. So ist jedes Teil ein Unikat.

 

Fairer Handel

Je nach Auftrag kauft Conserve die Plastiktüten von Kleinst-Recyclern ein, deren MitarbeiterInnen an den Straßenrändern der Slums gezielt nach den jeweiligen Farben suchen. Die Aufträge werden nur an Betriebe vergeben, die sich verpflichtet haben, ein Gehalt von 3.500 Rupien (ca. 60 Euro) pro Monat zu bezahlen und Schutzkleidung für die Arbeit zur Verfügung zu stellen.

Um Frauen, die in der indischen Gesellschaft noch heute oft benachteiligt sind, eine bessere Chance zu geben, bietet Conserve Weiterbildungsprogramme an und hat u.a. Werkstätten eingerichtet, in denen die Frauen lernen, mit Nähmaschinen umzugehen. Außerdem hat Conserve viele soziale Projekte initiiert. So konnte in einem Slum eine Schule für rund 200 Kinder errichtet werden.

 

Portrait

Sunita ist 30 Jahre alt und lebt in einem Slum am Rande von Delhi. Seit sie für Conserve als Müllsammlerin arbeitet, bekommt sie im Monat ein Gehalt von umgerechnet ca. 60 Euro. Das Gehalt wird pünktlich und zuverlässig gezahlt, so dass sie ihre Kinder regelmäßig zur Schule schicken kann. Für die Arbeit stehen ihr nun Mundschutz und Handschuhe zur Verfügung. In Zukunft ist sie auch durch eine Kranken- und Lebensversicherung versichert, wie alle MitarbeiterInnen bei Conserve.

Quelle: www.gepa.de